Ein Strich ist nicht gleich ein Strich

Ist 1 – 1 = 0 ? Richtig würde man jetzt sagen, denn mal liest in der Rechenaufgabe: eins minus eins gleich null. Nur dass hier kein Minuszeichen verwendet wurde sondern ein Bindestrich. Dass der Bindestrich für alle möglichen in der Typographie verwendeten Striche (z.B. auch Bis-Strich, Gedankenstrich, Auslassungszeichen) herhalten muss, liegt daran, dass man über eine Computer-Tastatur nur den Bindestrich eingeben kann. Selbst über den Ziffernblock, wo er neben dem + existiert, wird kein Minus-Zeichen eingefügt. (Genauso wenig fügt die Taste die Divisionstaste ein Divisionszeichen oder die Multiplikationstaste ein Multplikationszeichen ein. Aber das ist wieder ein eigener Blog-Beitrag.)

Das liegt daran, dass das Tastaturlayout älter ist als die Computer. Auf Schreibmaschinen war es nicht nötig, dass man mehrere Striche hatte. Der Bindestrich heißt in der Typographie eigentlich Viertelgeviertstrich, ist somit also ein Viertel der Breite eines Geviertstriches. In der deutschen Sprache wird der Halbgeviertstrich als Gedanken- und Bis-Strich verwendet. Um also mit einer Schreibmaschine einen Gedankenstrich zu tippen, musste man zwei Viertelgeviertstriche (–) hintereinander tippen. Das funktioniert in der modernen Informatik leider nicht mehr, wenn das verwendete Programm nicht gerade eine automatische Rechtschreibkorrektur hat – wie z.B. viele Office-Programme. Denn wie man sieht, wird zwischen die beiden Zeichen ein kleiner Abstand dargestellt.

Nun werden einige sagen, dass es doch egal sei wie breit dieser Strich ist. Mit dem selben Argument kann man allerdings sagen, dass es doch egal sei, wie man ein Wort schreibt solange man es es versteht. Genauso wie die Rechtschreibung ist auch die Zeichensetzung gewissen Regeln unterworfen. In der deutschen Sprache ist sehr genau fest gelegt, wann man welchen Strich verwenden muss und Setzer müssen sich daran halten. Auch für eine barrierefreie Webseite ist die korrekte Zeichensetzung unerlässlich, damit Bildschirmvorlesesoftware zu anfangs genannte Formal korrekt vorlesen könnte. Denn diese sind nicht dazu in der Lage die korrekte Assoziation herzustellen wie es das menschliche Gehirn tut.

Die Unterschiede in der Breite der einzelnen Zeichen werden dann besonders deutlich, wenn man sie einmal untereinander stellt:

- (Viertelgeviertstrich)
– (Halbgeviertstrich)
— (Geviertstrich)
− (Minus)

Stellt man die Striche nebeinander dar, sieht man außerdem, dass das Minuszeichen tiefer sitzt: - – — −

Der Viertelgeviertstrich wird verwendet als:

  • Trennstrich (z.B. Puppen-Haus)

 

Der Halbgeviertstrich wird verwendet als:

  • Auslassungszeichen (z.B. 5,– EUR)
  • Bis-Strich (z.B. Öffnungszeiten: 10:30–17:30)
  • Gedankenstrich (z.B. „Er fand es toll – ich auch”)

 

Der Geviertstrich wird verwendet als:

  • Gedankenstich im Englischen (z.B. “He loved it—me,too.”)

 

Um die Striche korrekt einzugeben, muss man die jeweilige Tastenkombination kennen. Lediglich den Viertelgeviertstrich kann man immer ohne Tastenkombination über die Tastatur eingeben. Unter Windows-Systemen können folgende Tastenkombinationen für die anderen Striche verwendet werden: Halbgevierstrich (Alt+0150),  Geviertstricht (Alt+0151) und Minuszeichen (Alt+8722). Die Ziffern müssen auf dem Ziffernblock der Tastastur eingegeben werden, sonst funktioniert es nicht!

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